Umziehen im Alter: je später, umso schwerer
Studien prüfen Wirkung von Wohnungswechsel ab 70
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13. Oktober 2026
Wie ältere Menschen wohnen, entscheidet über ihre Selbstständigkeit, gesellschaftliche Teilhabe und Lebensqualität. Dabei verändern sich mit zunehmendem Alter die Anforderungen an die Wohnsituation. Ein Umzug kann eine Möglichkeit sein, die Wohnsituation daran anzupassen – und den Wechsel in ein Altenheim vorerst zu verhindern.
Wissenschaftliche Studien der Universität Vechta zeigen, dass er aber so früh wie möglich erfolgen sollte, denn die Anpassung ans neue Heim fällt mit der Zeit immer schwerer. Teile der Ergebnisse sind nun in „Innovation in Aging“, eines der weltweit renommiertesten Journals im Bereich Gerontologie, erschienen.
Ein Wohnungswechsel kann im höheren Alter sinnvoll werden, wenn sich die Lebensbedingungen verändern, etwa durch gesundheitliche Einschränkungen, veränderte soziale Netzwerke oder steigenden Unterstützungsbedarf. Gerade in dieser Lebensphase ist ein Umzug aber oft auch mit erheblichen organisatorischen, sozialen und emotionalen Herausforderungen verbunden. Manuela Schulz, Gerontologin an der Universität Vechta, ist deshalb in ihrer Doktorarbeit der Frage nachgegangen: „Bleiben oder Gehen? Umzugsentscheidungen im Alter zwischen Konsistenz, Kontext und Konsequenzen“.
Die Grundlage für ihre Arbeit bilden drei unterschiedliche Studien. „Im Mittelpunkt steht die Frage, wie ältere Menschen über mögliche Umzüge entscheiden. Welche Merkmale einer neuen Wohnsituation sind dabei relevant für sie und welche Veränderungen zeigen sich nach einem erfolgten Wohnungswechsel?“, erklärt die Doktorandin. Dabei gehe es um Umzüge in passendere Wohnungen oder Häuser, zum Kauf oder zur Miete, die einen Wechsel in ein Heim vorerst verhindern.
Besseres Wohnumfeld, bessere Ausstattung
Auf Grundlage von Längsschnittdaten des Deutschen Alterssurveys wurde untersucht, wie sich Wohnsituation, funktionale Gesundheit und weitere gesundheitsbezogene Merkmale in den Jahren vor, während und nach einem Umzug entwickelten. Die Analysen zeigen, dass sich durch einen Umzug insbesondere Aspekte der Wohnungsausstattung (wie barrierefreie Badezimmer) und des Wohnumfelds (von Einkaufsmöglichkeiten bis zur ÖPNV-Anbindung).
Dabei bestanden deutliche Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Verbesserungen der altersgerechten Wohnungsausstattung waren besonders im hohen Alter ausgeprägt, während sich Veränderungen des Wohnumfelds vor allem bei Personen in ihren 70ern zeigten.
„Ein Umzug muss nicht erst dann zum Thema werden, wenn Treppen, gesundheitliche Einschränkungen oder Unterstützungsbedarf das Wohnen im bisherigen Zuhause akut erschweren.“
Gerontologin Manuela Schulz, Universität Vechta
Wie wirkt ein Umzug auf die Gesundheit?
Auch gesundheitliche Verläufe unterschieden sich nach Alter. Bei Menschen im sehr hohen Alter waren rund um den Umzug deutliche Einbußen der funktionalen Gesundheit zu beobachten, während sich die Entwicklung anschließend stabilisierte.
Trotz der Einschränkungen im Alltag berichteten die meisten Älteren insgesamt ab 70 aber von einer höheren subjektiven Gesundheit in der Phase des Umzugs. Sie fühlten sich also gesünder als vor oder nach dem Umzug. „Möglicherweise ist das zurückzuführen auf die positive Erwartung der Vorteile durch die neue Wohnung“, so Schulz.
„Ein Umzug erscheint damit weder grundsätzlich als Belastung noch als automatisch gesundheitsfördernde Maßnahme. Vielmehr hängt seine Bedeutung davon ab, in welcher Lebenssituation und zu welchem Zeitpunkt er erfolgt und welche Anforderungen der bisherigen Wohnsituation dadurch verändert werden “.
Kosten & Nähe zu Angehörigen
Ebenfalls wurde wissenschaftlich untersucht, welche Merkmale einer potenziellen neuen Wohnung die Bereitschaft zu einem Umzug beeinflussen. Deutlich unterschiedlich war dabei die Gewichtung: Personen, die aktuell Eigentümer sind, achten bei der Wahl der neuen Wohnung mehr auf die Ausstattung und die Nähe zu den Angehörigen. Personen, die aktuell zur Miete wohnen, achten bei der Wahl der neuen Wohnung eher auf den Preis.
Umzugsentscheidungen hängen damit nicht allein von der Wohnung selbst ab, sondern auch von der Form des Wohnens.
Fazit
Insgesamt empfiehlt sich nach den Ergebnissen der Studien eine frühzeitige und vorausschauende Auseinandersetzung mit der Wohnsituation im Alter, interpretiert die Wissenschaftlerin Manuela Schulz.
„Ein Umzug muss nicht erst dann zum Thema werden, wenn Treppen, gesundheitliche Einschränkungen oder Unterstützungsbedarf das Wohnen im bisherigen Zuhause akut erschweren. Vielmehr kann es sinnvoll sein, bereits früher mit der Partnerin oder dem Partner und der Familie darüber zu sprechen, welche Wohnsituation langfristig gewünscht und realistisch ist.“




