Das Schulbuch für alle

Erste wissenschaftliche Entwicklung für umfassend inklusive Schulbücher

Prototyp für ein inklusives Schulbuch, das auch für Lernende mit Förderbedarf funktioniert. Zu sehen sind 4 Kacheln mit teils bunten, teils photorealistischen Illustrationen zu den Bereichen Mathematik und Geografie

Inhalt

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10. Februar 2026

Eine internationale Kooperation hat erstmals systematisch an der Entwicklung umfassend inklusiver Schulbücher gearbeitet. Die Ergebnisse sollen Verlagen und Lehrkräften helfen, bisherige Schwachstellen in Schulbüchern zu überwinden und sie sensibler für Unterschiede der Lernenden zu machen.

Dabei geht es darum, auch Menschen mit Förderbedarfen, etwa im Bereich Deutsch als Zweitsprache oder Seh- oder Hörbeeinträchtigungen, Möglichkeiten zu besserem Lernen zu verschaffen. Das Erasmus+ -Projekt wurde mit rund 250.000 Euro gefördert.

Alle Schülerinnen und Schüler in einem Klassenzimmer bringen unterschiedliche Voraussetzungen für das Lernen mit. Ihre Schulbücher allerdings sind kaum darauf eingestellt.

„Schulbücher berücksichtigen die Bedürfnisse der Lernenden zu wenig“, erklärt Dr. Hannah Lathan von der Universität Vechta, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Geographiedidaktik. Gerade in besonders vielfältigen Lerngruppen könnten die Informationen aus einem Schulbuch daher oft nicht effektiv genutzt werden.

An dieser Schwachstelle hat das Projekt Digital Education Material (DEM) angesetzt, das von Dr. Hannah Lathan sowie Prof. Dr. Leif Mönter von der Universität Vechta geleitet wurde. Es verfolgte das Ziel, digitale Schulbücher von Grund auf inklusiv zu denken, sodass alle Lernenden mit ihnen arbeiten können. Das schließt auch Menschen mit Seh- oder Hörbeeinträchtigungen oder besonderen Förderbedarfen, etwa im Bereich Sprache oder Deutsch als Zweitsprache, ein.

Informationen vielseitiger bereitstellen

Im Fokus standen E-Books für die Fächer Geographie und Mathematik, zwei Unterrichtsfächer mit vielfältigem Einsatz von Medien und Material. „Diese Anforderungen stellen die Entwicklung digitaler Schulbücher vor besondere Herausforderungen, eröffnen aber zugleich große Chancen für inklusives Lernen“, erklärt Dr. Hannah Lathan.

„Die Entstehung eines Schichtvulkans zum Beispiel wird im analogen Buch häufig durch eine komplexe Abbildung dargestellt. Diese setzt aber ein ausgeprägtes dreidimensionales Vorstellungsvermögen voraus. Prozesse werden über Pfeile und Beschriftungen erklärt. In inklusiven Schulbüchern wird der Prozess dagegen in einer Bildfolge Schritt für Schritt dargestellt.“ So werde der Blick auf das Wesentliche gelenkt.

In der digitalen Umsetzung können darüber hinaus Simulationen eingesetzt werden. Zudem können digitale Medien für Menschen mit Sehbehinderung erweitert werden: Lehrkräfte können etwa Graphiken auf Schwellpapier ausdrucken, das Erhebungen ertastbar macht.

Die Forschenden hinter dem Projekt

  • Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Postdoktorandin in der Didaktik der Geographie der Universität Vechta
  • Kompetenzzentrum für Regionales Lernen
  • VISTRA – Vechta Institute of Sustainability Transformation in Rural Areas

Schwerpunkte: Geographiedidaktische Schulbuchforschung, Bildung für Nachhaltige Entwicklung und Transformative Bildung

  • Professur für Didaktik der Geographie an der Universität Vechta 
  • Kompetenzzentrum für Regionales Lernen
  • VISTRA – Vechta Institute of Sustainability Transformation in Rural Areas

Schwerpunkte: Geographiedidaktische Schulbuchforschung, Bildung für Nachhaltige Entwicklung und gesellschaftswissenschaftliche Integrationsfächer

 

Ergebnisse: Digitale Prototypen und neue Leitlinien

Mit DEM wurde ein erster systematischer Versuch unternommen, digitale Schulbücher nach dem Prinzip „ein Schulbuch für alle“ umzusetzen. Dazu hat das interdisziplinäre Projektteam didaktische und technische Prototypen für die Grundschule sowie für die weiterführende Schule entwickelt.

Ein weiteres außergewöhnliches Ergebnis sind umfassende neue Leitlinien für barrierefreie E-Books.

Diese Ergebnisse bieten neue Impulse für

  • die weitere Entwicklung und gänzliche Neukonzeption von digitalen Schulbüchern
  • die Aus- und Fortbildung von Lehrkräften
  • weitere Forschungs- und Entwicklungsprojekte im Bereich inklusiver digitaler Bildung

Schulbuchverlagen geben sie praxisnahe Einblicke in Entwicklungs- und Gestaltungspotenziale für Lehr-Lern-Materialien im inklusiven Unterricht und liefern konkrete Orientierung für die eigene Arbeit. Lehrkräfte erhalten zugleich neue Perspektiven und illustrative Möglichkeiten für eine Unterrichtsgestaltung, die alle Lernenden berücksichtigt.

„Die Projektergebnisse zeigen, dass eine große Materialvielfalt, kombiniert mit einer interdisziplinären und wertschätzenden Zusammenarbeit der Schlüssel zu mehr Teilhabe im Unterricht ist“, sagt Prof. Dr. Leif Mönter, Professur für Didaktik der Geographie an der Universität Vechta.

Hintergrund: Methodik und Aufbau des DEM-Projekts

Besonders hervorzuheben ist der interdisziplinäre, in Teilen sogar transdisziplinäre (also inhaltlich, methodisch und empirisch neudenkend) Ansatz des Projekts. Im DEM-Konsortium arbeiteten Expert*innen aus der Sonderpädagogik mit dem Schwerpunkt Blindheit und Sehbeeinträchtigung, der Inklusions- und Allgemeindidaktik, dem Instruktionsdesign, der technischen Barrierefreiheit sowie der Mathematik- und Geographiedidaktik eng zusammen.

Das Projekt wurde im Rahmen von Erasmus+ (KA220 – Hochschulpartnerschaften) mit einem Gesamtvolumen von rund 250.000 Euro gefördert.

Webseite: www.dem-project.eu

Grundlage der Leitlinien bilden eine systematische Literaturanalyse, umfangreiche Vorarbeiten der Projektpartner*innen, darunter eine empirische Analyse von 88 digitalen Schulbüchern aus den Partnerländern Deutschland, Österreich, Luxemburg und Italien in den Fächern Mathematik, Sachunterricht und Geographie.

Koordiniert wurde das Projekt vom Centre pour le développement des compétences de la vue (CDV) Luxemburg. Weitere Partner waren die TU Graz, die Universität Hamburg, die Universität Münster sowie die Freie Universität Bozen.

Der internationale, zugleich deutschsprachige Projektkontext ermöglichte einen intensiven fachlichen Austausch über Ländergrenzen hinweg.

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