Gute Verbindung
Dr. Teresa Pham: Wie ein wissenschaftliches DFG-Netzwerk Forschende voranbringt
Inhalt
6. Januar 2026
Zehn Sprachwissenschaftler*innen haben über fünf Jahre lang durch ein besonderes Netzwerk zusammengearbeitet – unterstützt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft.
Die prestigeträchtige Förderung ermöglichte Ihnen, sich über ihre Forschungsprojekte austauschen, gemeinsame Projekte zu entwickeln und sogar Koryphäen ihres wissenschaftlichen Bereichs zum direkten Gespräch einzuladen. Zum Abschluss konnten die Wissenschaftler*innen nun einen gemeinsamen Sammelband im renommierten Verlag der Cambridge University Press veröffentlichen.
Die Idee für den Förderantrag hatte Dr. Teresa Pham, weshalb das Netzwerk an ihrer Hochschule, der Universität Vechta, angesiedelt wurde. Die Linguistin zählt die Erfahrung und die entstandenen Verbindungen zu den Highlights ihrer bisherigen Karriere.
„Die Beziehungen, die in unserem wissenschaftlichen Netzwerk entstanden sind, gehen in ihrer Intensität weit über die Kontakte hinaus, die man üblicherweise bei Konferenzen knüpft.“
Dr. Teresa Pham, Universität Vechta
Frau Pham, das Netzwerk, das Sie mit Ihrem Kollegen geleitet haben, wurde von der DFG gefördert. Das gilt als besonderes Prädikat. Was hat es Ihnen persönlich bedeutet, als Sie von der DFG damals die Bewilligung für Ihren Antrag bekommen haben?
An diesen Moment kann ich mich noch genau erinnern. Als ich den Brief von der DFG mit der Bewilligung in den Händen hielt, konnte ich es kaum glauben. Es war als hätten wir den Jackpot geknackt! Schließlich wird nur ein Bruchteil von Anträgen bewilligt und mit solchen größeren Fördersummen kann man einfach unheimlich viel in der Wissenschaft gestalten und bewirken.
Ich habe sofort Sven, meinen Kollegen, der mit mir den Antrag federführend vorbereitet hat, angerufen und dann alle anderen aus dem Netzwerk per WhatsApp informiert. Dass der Antrag wirklich bewilligt wurde und unser Projekt von den Gutachtern so gelobt worden war, war ein riesiges Erfolgserlebnis, für alle in unserem Netzwerk.
Persönlich ist eine Bewilligung durch die DFG, vor allem die Bewilligung eines Erstantrages, natürlich eine große Auszeichnung. Drittmittel sind in Bewerbungsverfahren extrem wichtig und Mittel der DFG werden besonders honoriert. Ich hoffe also, dass dieses Forschungsprojekt ein wichtiger Baustein ist, um mich, wie man in der Wissenschaft sagt, ‘berufbar‘ zu machen.




Lernen, forschen, austauschen: Internationales DFG-Netzwerk © Pham, Universität Vechta
Neben der wertvollen Aufmerksamkeit hat die DFG Ihnen ein wissenschaftliches Netzwerk ermöglicht. Was ist dadurch entstanden?
Wir haben uns über einen Zeitraum von fünfeinhalb Jahren etwa alle sechs Monate getroffen. In der Corona-Zeit geschah das online. Die Beziehungen, die dadurch in unserem wissenschaftlichen Netzwerk entstanden sind, gehen in ihrer Intensität weit über die Kontakte hinaus, die man üblicherweise bei Konferenzen knüpft. Und ich bin mir sicher, dass sie auch weit über die Förderperiode hinweg bestehen bleiben werden!
Diese Beziehungen betreffen einerseits das Berufliche. Dabei haben wir erleben dürfen, wie wir uns alle beruflich weiterentwickelt haben. Eine Person aus dem Netzwerk wurde berufen, mehrere wechselten die Stelle, viele waren als wissenschaftliche Mitarbeiter*innen immer wieder in prekären beruflichen Lagen. Und natürlich konnten wir die Entwicklung der einzelnen Forschungsprojekte Schritt für Schritt nachverfolgen. Auch der Einblick in die Organisation von Universitäten im Ausland war sehr interessant, denn in unserem Netzwerk waren neben acht deutschen Sprachwissenschaftler*innen auch eine Person aus Oxford und eine Person aus Amsterdam.
Aber wir haben uns auch privat gut kennenlernen dürfen: Nach so vielen gemeinsamen Stunden, Abendessen, Zugfahrten und anderen Erlebnissen, kennt man die Familien- und Lebenssituationen der einzelnen und weiß von so mancher Gewohnheit oder Eigenheit. Es war zum Beispiel nach der Anreise in den Hotels immer meine Aufgabe, die Spinnen in den Zimmern der anderen zu entfernen… Diese Kontakte im Netzwerk habe ich persönlich als sehr, sehr wertvoll erlebt.
Dabei ist Feedback aus verschiedenen Perspektiven und von Personen mit verschiedenen Forschungsschwerpunkten ganz wichtig für das eigene Forschungsprojekt. Dieses Feedback hat mein Habilitationsprojekt entscheidend geformt. Und last but not least haben wir alle mit dem Netzwerk ein vertrauensvolles Umfeld aufgebaut, in dem man auch seine beruflichen Sorgen äußern kann. Auch das ist in der Wissenschaft besonders wertvoll, angesichts des Prekariats der Stellen des wissenschaftlichen Mittelbaus sowie des oft langwierigen Bewerbungsprozesses für Professuren.
Sprachwissenschaftlerin Dr. Pham und ihre Forschung
Dazu hatten Sie die Möglichkeit, Gäste einzuladen – und haben die Chance genutzt, herausragende Expert*innen Ihres Bereichs zum direkten Gespräch zu bitten. Wie lief das ab?
Zu sechs Treffen unseres Netzwerks konnten wir ein internationale Expert*innen einladen, die nur für uns Vorträge hielten. Anreise, Unterkunft und Tagegelder waren von unseren DFG-Mitteln abgedeckt. Das war für uns eine großartige Chance, mit den wichtigsten Sprachwissenschaftlern für unseren Bereich ins Gespräch zu kommen.
Besonders beeindruckt haben mich persönlich die Begegnungen mit Betty Birner von der Northern Illinois University und Douglas Biber von der Northern Arizona University aus den USA. Beide waren ganz nahbar, bodenständig und unprätentiös – obwohl sie für den Bereich der Syntax des Englischen zu den weltweit angesehensten Linguisten der Gegenwart zählen.
Klingt ja fast, wie einen Popstar zu treffen…
Ja, absolut! Das sind die Popstars der Linguistik! Quasi die Biebers der Linguistik, wie ein Kollege zu sagen pflegt – nur bodenständiger!
Der Link zum greifbaren Ergebnis der Zusammenarbeit
Zum Abschluss des Projekts konnten Sie gemeinsam sogar einen Sammelband im renommierten Verlag der Cambridge University Press herausbringen. Auch das ein Meilenstein. Worum dreht sich dieses Werk?
Eine Publikation bei einem so renommierten Verlag wie Cambridge University Press ist in der Tat ein Meilenstein. Und unser Sammelband ist umso mehr ein Meilenstein, als er eine Gold Open Access Publikation ist, das heißt er ist vollständig online verfügbar. Dies entspricht nicht nur den neuesten wissenschaftlichen und DFG- Standards für Publikationen, sondern wir erhoffen uns davon natürlich auch einen besonderen Impact unserer Forschung.
Der Sammelband spiegelt den state-of-the-art der Forschung zu nicht-kanonischer Syntax wider. Generell tragen unsere Analysen und Erkenntnisse dazu bei, besser zu verstehen, wie Sprache sich entwickelt hat, welchen Mechanismen die Sprachverwendung folgt und wie Sprache wirkt. Unsere Beiträge untersuchen eine große Bandbreite nicht-kanonischer Strukturen in ganz unterschiedlichen Textsorten und Varietäten des Englischen und reflektieren auch kritisch die Verwendung des Begriffes ‘nicht-kanonisch‘.
Ein Beispiel aus meiner eigenen Forschung kann das vielleicht illustrieren. Die Aussage etwa einer Politikerin It’s this situation that I’ve always warned about erweckt den Eindruck, es sei bekannt, dass die Sprecherin vor dieser Situation gewarnt hat. Durch ihre Position im Nebensatz ist diese Information nicht nicht-verhandelbar. Derartig unauffällig platzierte Bewertungen könnten etwa im politischen Diskurs strategisch eingesetzt werden, um Zuhörende zu manipulieren.
Die Erkenntnis, dass solche Bewertungen häufig in bestimmten nicht-kanonischen Strukturen auftreten, ermöglicht uns, sie in die automatische Textanalyse einzubeziehen. Somit haben die Erkenntnisse eine weitreichende Relevanz etwa für die automatische Erkennung von Bewertungen oder Fake-News in Sozialen Medien.





